Defender

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Ein Landrover Defender Td5, Baujahr 1999, in der 110er Ausführung. Was haben wir uns dabei nur gedacht?!

 Verliebt waren wir, die rosarote Brille auf der Nase tragend. Das Design, der Kultfaktor, super Motor – nahezu unkaputtbar, in der Anschaffung günstig. Vieles hatte damals, Ende 2014, für den Kauf gesprochen. Und darum hatten wir zugeschlagen. Ruckzuck wurde auf dem Rüstersieler Grundstück von Tims Mama ein Carport für das neue Familienmitglied geschaffen. Er sollte sich von Beginn an wohlfühlen, merken, dass er geliebt wird. Getauft wurde er auf den Namen Roady und begeistert seit jeher die Follower auf Instagram mit seinen fotogenen Ecken und Kanten!

Doch sein Vertrauen mussten wir uns hart erarbeiten. Turbo defekt auf der ersten Autobahnfahrt. Einen Monat später gab die Batterie ihren Geist auf. Erste Zweifel machten sich breit. Aber so schnell gibt man ein Familienmitglied nicht auf. Viel Geld und Liebe sind in den Ausbau geflossen und wer hätte gedacht, dass wir für diesen alten britischen Truppentransporter eine Wohnmobilzulassung bekommen würden?! Der TÜV-Prüfer zeigte sich zunächst etwas skeptisch, war von dem Konzept letztlich aber voll überzeugt. 

Ein Hubdach, neues Fahrwerk, 270Grad-Markise, Zusatztank, Sandbleche, Standheizung, Doppelbatteriesystem, Solaranlage, ordentlich Riffelblech und ne Menge Gedöns für den Dachgepäckträger. Die Pakete stapelten sich in der Rüstersieler Garage und Tims Mutter und Stiefvater waren per Du mit den Kurieren der Stadt.

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Dezember 2014, Wilhelmshaven

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Juli 2018, Seattle

Und ja, die Liebe und Arbeit scheinen sich ausgezahlt zu haben. In den Vereinigten Staaten rissen wir ohne Probleme die ersten 14.204 Km ab, auf der Baja California konnten wir unsere Geländegängigkeit voll ausnutzen und abgelegene Schlafplätze zwischen Kakteen oder schwer zugänglichen Landzungen ansteuern. Tja – und dann kam das mexikanische Festland -> Gewaltbruch in der Kupplung! Wir waren nicht so blauäugig und hätten gedacht, ohne Probleme die 50.000-60.000 Kilometer bis nach Patagonien zu kommen. Aber direkt sowas, kurz vor Weihnachten?

Was wir da noch nicht wussten, es war nur der Anfang einer Odyssee durch zentralamerikanische Werkstätten. Dem Kupplungsbruch in Guadalajara (Mexiko) folgten ein defekter Starter in San Ignacio (Belize), ein defektes Radlager, defekter Abgaskrümmer, undichte Zylinderkopfdichtung, Ölleck im Verteilergetriebe und ein defekter Lenkungsdämpfer in Guatemala-City. Damit war das Werkstatt-Budget nahezu aufgebraucht. Aber Roady quasi wie neu 😉 Geschnurrt wie ein Kätzchen hat er! Das Geräusch vom Zusammenspiel eines funktionierenden Starters und einer perfekten Kupplung, einfach herrlich! Wir fühlten uns irgendwie unbesiegbar was das Auto betrifft…

…bis zum 3. April 2019. Als Roady nach dem Abkommen von der Fahrbahn mit Überschlag auf der Seite im Graben lag, dachten wir nicht nur, unsere Reise hätte ein jähes Ende gefunden, wir glaubten auch ein Familienmitglied verloren zu haben! Aber Familienmitglieder gibt man nicht so einfach auf. Dank finanzieller Unterstützung aus der Familie wurde der Defender aus dem Niemandsland nach San José geschleppt und wird da zur Zeit (Mitte Mai 2019) für seine letzte große Etappe auf dieser Reise fit gemacht -> Südamerika!